Ahzumjot und die Trailerpark-Bar

Samira, 20, hat eventuell ein Alkoholproblem…

…würden jedenfalls einige behaupten, wenn sie hören, dass ich schon wieder eine Nacht in Berlin verbracht habe. Wie kann ich nur, mit 20 sollte man lieber zuhause sitzen und seine Katzen füttern oder so. Für die Uni lernen täte es auch. Wer weiß, vielleicht habe ich im Masterstudium ja eine andere Lerneinstellung? (wohl kaum)

Zurück zum Thema. Ja, ich war wieder in Berlin unterwegs, aus einem wichtigen Grund: Ahzumjot hatte vorher angekündigt das St. Georg in Kreuzberg zu zerlegen. Wer mich hier schon länger verfolgt, hat schon mitbekommen, dass ich ein kleines Kind des deutschen HipHops bin. Angefangen hat das alles im Jahre 2011, erinnert ihr euch? Vor sechs Jahren gab es den ganzen Hype um Casper, K.I.Z, Prinz Pi, Kraftklub usw. noch nicht. Jedenfalls nicht im heutigen Ausmaß. Zur Erinnerung: im März 2012 spielte Casper noch in der Columbia Halle, mit K.I.Z als Vorband. Glaubt ihr mir nicht? Sucht Videos auf YouTube dazu, ihr werdet fündig, versprochen. Wie dem auch sei, durch Casper fing alles an. Wegen Casper wollten Caro und ich 2013 unbedingt auf’s splash! Festival fahren und ich bin dort irgendwie hängen geblieben. Wie kam ich aber zu Ahzumjot? Ganz einfach. Ich habe auf dem splash einen Pullover gesehen, der mir optisch richtig gut gefallen hat und es stellte sich heraus, dass dieser von Ahzumjot ist. Also von seinem Merch. (am gleichen Tag kaufte ich übrigens meinen Kraftklub Pullover. Upsi)
Ich habe mich also über das Merch mit Ahzumjot auseinander gesetzt und seitdem verfolge ich ihn und versorge mich stets mit seinen neuen Tracks. So geht das einfach. Zugegeben, ich bin hier und da ein kleines Fangirl, insbesondere wenn es um Musiker geht, deren Musik mein Leben schon so lange begleitet.

Soweit, so gut. Ich war also wegen Ahzumjot in Berlin und hatte unglaublich gute Laune, weil ich mich sehr auf den Abend gefreut hatte. Ehrlich gesagt, war ich auch super aufgeregt, denn ich hatte eine Vermutung von der ich wissen wollte, ob sie stimmt. Es klingt jetzt vermutlich doof, aber tatsächlich überlegte ich den ganzen Tag, ob es nicht möglich wäre, dass Casper auf die Bühne kommt. In Anbetracht der Zeit, die ich beide bereits verfolge, ist auch bei mir angekommen, dass die beiden sich kennen und gut verstehen. Als dann das Album von Ahzumjot kam, wo Casper auf einem Song auftauchte, dachte ich nur „wow krass“ – wir alle wissen, vor welchem Publikum Casper mittlerweile spielt. Da ist eine ausverkaufte Wuhlheide keine Überraschung. Spreche ich hingegen von Ahzumjot, werde ich oft gefragt wer das ist. Ehrlich gesagt, finde ich das richtig schade und absolut unverdient. Zurück zu meinen Überlegungen (die gingen nämlich noch weiter), mir kam in den Sinn, dass Berlin das Tourfinale war. Immer ein besonderer Auftritt, zumindest lassen die Künstler das gerne so aussehen. Also dachte ich „okay, irgendwas krasses wird er machen. Irgendwas packt er aus, womit niemand rechnet“. Tja und dann fiel mir auf, dass Casper in Berlin wohnt und immer wieder betont, wie sehr er die kleinen Shows feiert. Setzt man nun alle Teile zusammen, ist es eigentlich nur logisch, dass er da war. Die beiden kennen sich seit Jahren, haben einen gemeinsamen Song vom neuen Album, es ist Tourfinale, Spielort Berlin in einer kleinen Location. Noch Fragen?

Mir wollte das niemand so recht glauben. Nina stimmte mir zwar in der Hinsicht zu, dass es durchaus Sinn machen würde, hielt aber entgegen, dass ich mir keine zu großen Hoffnungen machen sollte, schließlich war ja Ostern. Nochmal mein Gegenargument an Nina: Ostern ist erst Sonntag / Montag 😛
Paul guckte mich auch eher skeptisch an und war auch geteilter Meinung. Es schien auch irgendwie zu offensichtlich und irgendwo auch zu krass. Wir reden hier von Casper.

Das Konzert fand in einer sehr gemütlichen Location statt. Wie viele wir waren? Fragt mich nicht, aber sicher nicht mehr als 100 Menschen. Also wirklich klein das Ganze, was ich immer sehr begrüße. Mir machen die kleinen Konzerte immer am meisten Freude, weil alles wesentlich entspannter abläuft. Ahzumjot und Chima Ede verbreiteten gute Stimmung, der Bass zerlegte gefühlt die Mauern und bei uns war gute Laune ohne Ende angesagt. Das Konzert endete, die Zusage fing an. Niemand rechnete jetzt noch mit Casper. Der versteckte sich nämlich im Backstage. Limbo fehlte aber nach wie vor. Als der Song dann angespielt wurde, drückte ich Paul nur noch mein Handy in die Hand und bat ihn für mich zu filmen, damit ich tanzen gehen konnte. Das tat er auch und dann sprang Casper pünktlich zu seinem Part auf die Bühne. Ich bin vor Freude mehr als nur eskaliert. Es war für mich so wunderschön, diesen Menschen noch einmal vor so kleinem Publikum live erleben zu können. Mein twitter explodierte und gefühlt jeder meiner WhatsApp Kontakte musste sich unter die Nase reiben lassen, dass Casper da war. Ich will halt nichts sagen, aber ich habe es geahnt und ihr glaubt nicht, wie froh ich bin, Paul mein Handy in die Hand gedrückt zu haben.

Nach dem Konzert, welches dann schnell vorbei war, ging es für uns in altbekannter Manier Burger essen und dann auf einen Absacker in die Trailerpark Bar. Es ist irgendwie ein witziges Gefühl, wenn der Barkeeper dein Gesicht bereits kennt und genau weiß, dass du den Rapetrain auch wirklich mit Gin haben möchtest. Steht so aber leider nicht auf der Karte, das müssen gewisse Herren mal ändern.

Viel mehr ist nicht passiert und so endete die Nacht in Berlin relativ früh, das war aber auch genug für mein armes kleines Herz. Noch mehr Überraschungen hätte ich wohl nicht gepackt, denn ich musste erstmal realisieren, was da eigentlich passiert ist. Tatsächlich fühlt es sich im Nachhinein immer noch an wie ein Traum, aber es gibt ja zum Glück das Video vom Auftritt, dank Paul.

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