Mein Pferd steht in Vollpension

Bin ich nun eine schlechte Pferdemami?

Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich ein Gespräch mit an in welchem folgende Kategorien unterschieden wurden: Pferdebesitzer, Pferdehalter und Reiter. Inhalt von diesem Gespräch war, dass man sein Pferd nur gänzlich lieben kann, wenn man eben alles davon ist. Gleichzeitig bedeutet dies, dass man also den Stall mistet, sein Pferd finanziert, es pflegt und reitet. Wer nicht alles davon tut, liebt sein Pferd nicht. Aha.

Für mich klingt das nun so, als würde ich Kilkenny komplett vernachlässigen, schließlich fahre ich meist „nur“ zum Pferd putzen und reiten hin. Das Misten überlasse ich ruhigen Gewissens anderen Menschen (die werden dafür aber auch bezahlt) und ganz banal gesagt habe ich gar nicht die Zeit zweimal täglich, morgens und abends, zum füttern, misten, rausbringen usw. in den Stall zu fahren. Dann hätte ich nämlich keine Gelegenheit mehr andere Dinge zu tun und Killy meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Für mich wichtige Dinge wie die Beschäftigung mit meinem Pferd würden dadurch enorm eingeschränkt, was unter anderem der Grund ist, warum ich mich für einen Stall entschieden habe, der Vollpension anbietet.

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Natürlich würde ich einiges einsparen, wenn ich in einen Stall wechseln würde, wo die Einsteller ebenfalls etwas tun müssen, das habe ich jedoch alles schon durch und ich habe eben genau die Erfahrung gemacht, dann recht unausgeglichen im Stall zu sein, weil im Hinterkopf immer noch eine Aufgabe hockt, die erledigt werden will. Da fahre ich deutlich lieber ohne große Verpflichtungen in den Stall und nutze die Zeit ausgiebig für mich und Kilkenny.

Auch die Tatsache, dass ich es eben nicht mag, wenn mein Pferd sich an mir schubbert oder mich vollsabbert wurde damit abgetan, dass ich „ein typischer Reiter“ wäre. Was das damit zu tun hat, ist für mich fraglich. Ich sehe schubbern als furchtbar respektlos an und finde es schlichtweg unangenehm überall die Sabber meines Pferdes zu haben. Schließlich habe ich auch im Stall noch Kontakt zu anderen Menschen und gehe oft im Anschluss auch einkaufen. Wer will da schon komplett voll gesabbert sein? Trotzdem kuschel ich mein Pferd und ekel mich nicht vor Killy. Es gibt einfach Dinge, die ich für unnötig empfinde und deshalb werden diese unterbunden. Das bedeutet aber nicht, dass ich mein Pferd deshalb weniger liebe.

Im Gegenteil. Ich bin sogar der Auffassung, dass es meinem Pferd deutlich besser geht, wenn ich es in Vollpension stehen habe. So kann ich nämlich gewährleisten, dass immer jemand da ist, der sich um sie kümmert. Sie hat eine feste Fütterungsroutine, einen geregelten Tagesablauf und eben dies kann ich ihr nicht bieten, wenn ich sie selbst versorge. Dafür zahle ich auch gerne einen höheren Preis für den Unterhalt meines Pferdes, wenn dies bedeutet, dass ich bedenkenlos in den Urlaub fahren kann und mir keine Gedanken machen muss, wenn ich krank werde.

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Ich will hiermit nicht pauschalisieren, dass es Pferden besser geht, wenn sie in Vollpension stehen. Da wäre ich kein Stück besser, als diejenigen die behaupten, Pferde in Vollpension würden weniger geliebt. Ich denke, was das angeht muss jeder selbst entscheiden, wie es für einen besser zu handhaben ist. In Bezug auf Pferdehaltung unterstelle ich einfach mal, dass wir alle nur das Beste für unsere Tiere wollen. Wer also die Zeit und die Gegebenheiten hat, um sich vollkommen selbst um sein Pferd zu kümmern, wird dies sicher auch mit gewissem Herzblut tun und diesem Pferd wird es auch nicht schlecht gehen.

Gerade in ländlichen Regionen sieht man ja oft „das Pferd im Garten“. Natürlich ist auch das ein kleiner Lebenstraum von mir, denn ich kann mir nichts schöneres vorstellen, als auf einem riesigen Grundstück mit eigenem Stall zu wohnen. Leider habe ich jedoch nichts dergleichen geerbt und ehe ich mir ein solches Grundstück finanzieren kann, vergeht wohl noch einiges an Zeit. Zudem gehe ich davon aus die nächsten Jahre berufstätig zu sein und irgendwo hätte ich auch gerne Zeit für mich und die Familie. Das Pferd im Garten passt da nicht so recht rein, es sei denn ich hätte Personal, welches für mich das Misten etc. übernimmt. Wenn ich es so betrachte, kann ich Killy aber auch getrost in Vollpension stehen lassen.

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Wie bei allen Themen im Pferdebereich gibt es hierzu wohl so einige Meinungen, die garantiert auch wieder meilenweit auseinander liegen.
Was ich einfach nur loswerden wollte ist, dass man nicht nach der Haltungsform pauschalisieren sollte, wie sehr ein Mensch sein Pferd liebt. Es gibt nach wie vor Menschen, die finanziell nicht die Möglichkeiten haben, das eigene Pferd in Vollpension zu stellen. Nur weil diese eben einen günstigeren Stall wählen, wo sie mehr mit anpacken müssen, bedeutet das doch nicht, dass diese Leute ihr Pferd weniger lieben oder gar weniger dafür aufwenden. Körperlich investieren sie nämlich weitaus mehr. Im Gegensatz dazu liebt man sein Pferd doch aber auch nicht weniger, nur weil man mehr Geld investiert und sich somit das Drumherum erspart, weil man es zeitlich nunmal nicht auf sich nehmen kann (oder will).

Ich für meinen Teil würde monatlich nicht so viel Geld für ein Tier ausgeben, wenn ich nicht mit vollem Herzen dahinter stünde.

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2 Gedanken zu “Mein Pferd steht in Vollpension

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