Ein Tag im Stall – #1 Bodenarbeit

Hin und wieder berichte ich euch von dem, was ich im Stall mit Kilkenny so treibe. Wie sieht jedoch meine Routine im Stall aus? Fahre ich einfach hin, hole mein Pferd aus der Box, arbeite sie und fahre wieder nach Hause? Steckt vielleicht doch mehr dahinter? Wie mein Stallalltag aussieht, wenn die gute alte Bodenarbeit ansteht, erzähle ich euch in diesem Beitrag. Vorab muss ich gestehen: ich habe keine festen Stallzeiten. Genauso wenig habe ich feste Tage für die Bodenarbeit. Ich erstelle jede Woche aufs Neue einen Plan, wann ich in den Stall fahre und was ich dann mache. Somit habe ich zwar einen Rahmenplan, jedoch kommt häufig auch etwas dazwischen, wodurch ich dann spontan doch etwas anderes mache. So kann es passieren, dass ich schon morgens um 8 im Stall stehe, oder auch erst abends 20 Uhr im Stall ankomme. Hier unterscheidet sich zumindest schonmal der Beginn meines „Stalltages“, denn wenn ich Vormittags oder am frühen Nachmittag komme, hole ich Kilkenny selbstverständlich nicht aus ihrer Box, sondern von der Koppel runter. Komme ich jedoch erst am späten Abend, hole ich sie aus ihrer Box heraus. Das hängt mit der Routine bei uns im Stall zusammen, da unsere Pferde ganztags draußen stehen und erst am Abend in ihre Boxen kommen, quasi zum schlafen und fressen. Allerdings geht mein erster Gang nie zur Koppel / Box.
Auf dem Hof angekommen führt mich mein erster Weg immer in die Sattelkammer, wo ich meine Sachen ablege und die Mineralien für Killy vorbereite. Oft werfe ich dann auch schon einen Blick auf die Sachen, die ich benutzen möchte und lege mir diese zurecht. Anschließend nehme ich mir den Becher mit den Mineralien und gebe diese in ihren Futtertrog in der Box. Natürlich könnte ich auch darum bitten, dass diese Aufgabe gegen Aufpreis von den Mitarbeitern im Stall erledigt wird, jedoch bin ich der Meinung, dass ich an dieser Stelle Aufwand einsparen kann, der einfach nicht nötig ist. Schließlich bringt mich der Gang zur Box meines Pferdes nicht um und selbst wenn ich es mal nicht in den Stall schaffe und somit nicht die Mineralien geben kann, kippt Killy davon noch lange nicht um – bei lebensnotwendigen Medikamenten würde ich hier sicher anders agieren. Habe ich diesen Punkt erledigt, schaue ich nach, ob eine meiner Decken noch an den Deckenhaltern hängt. Ist dies der Fall, kontrolliere ich diese auf Nässe und wenn sie trocken ist, nehme ich sie runter und direkt mit in die Sattelkammer. Sobald ich dort wieder angekommen bin, habe ich mich meist schon entschieden ob ich Killy draußen oder drinnen putzen möchte. Dementsprechend greife ich mir die Dinge, die ich brauche (im Fall Bodenarbeit: Putzkiste, Dually Halfter / Kappzaum, Longe / Leitseil, Gerte) und lege sie an die entsprechende Putzstelle.
Da unsere Pferde 24/7 ihre Halfter tragen, brauche ich dann nur noch einen Strick, um Killy holen zu können. Dieser liegt immer in meiner Putzkiste, denn sonst lasse ich den immer irgendwo liegen.
Nach diesem ganzen Hickhack (gibt es dieses Wort?) kommt dann auch endlich Killy ins Spiel. Sie wird begrüßt, geholt und am Putzplatz „geparkt“. „Eingeparkt“ wird sie dann ausgiebig geputzt, wobei wir aktuell sehr stark an der Akzeptanz von Mähnenspray arbeiten. Dieses akzeptiert Killy zwar, jedoch schreckt sie im Hals/Kopf Bereich gerne mal davor zurück, was ich gerne ändern würde. Sobald wir mit dem putzen fertig sind, wird das Halfter gegen das Dually Halfter oder den Kappzaum ausgetauscht und wir machen uns auf den Weg in die Halle (natürlich mit den anderen Utensilien im Schlepptau). Bei besseren Wetterverhältnissen könnten wir auch den Platz oder den Longierzirkel nehmen, jedoch bietet sich aktuell nur die Halle an, da die Bodenverhältnisse draußen lediglich Schritt zulassen und ich auch nicht riskieren möchte, dass Kilkenny irgendwie auf vereisten Stellen wegrutscht.
Was genau beinhaltet bei uns denn nun die Bodenarbeit? Die Bodenarbeit beginnt bei uns bereits beim Betreten der Halle. Da wir einen wirklich tollen Hallenboden haben, der auch möglichst lange nutzbar bleiben soll, ist es bei uns selbstverständlich, die Hufe vor und nach dem Betreten auszukratzen. Da wir dort jedoch keine Möglichkeit haben die Pferde anzubinden, besteht die erste Aufgabe für die Pferde darin, einfach stehen zu bleiben, egal was wir gerade tun. In der Halle angekommen, arbeiten wir aktuell viel daran an der Aufstieghilfe ruhig zu stehen. Zudem bietet uns die „Bergziege“ immer wieder eine schöne Herausforderung, denn Kilkenny tut sich recht schwer diese Übung zu verstehen. Sobald wir die Bergziege gemeistert haben, werde ich die entgegengesetzte Übung angehen. Vorher macht dies jedoch wenig Sinn. Zudem üben wir aktuell sehr fleißig Seitengänge im Schritt, die Killy wirklich toll kann. Ich denke hier werden wir uns bald auch mal an den Trab wagen. Weiterhin schicke ich Kilkenny gerne auf gerader Linie rückwärts und lasse sie mit der Hinterhand weichen. Das Ablegen habe ich erst einmal auf Eis gelegt, da ich mir unsicher bin, ob ich dies in unserer Halle überhaupt darf. Da ich hier keinen Ärger provozieren will, warte ich einfach, bis die Bodenverhältnisse wieder angenehmer sind. Ablegen lässt sich schließlich auch prima auf der Koppel üben. Je nach Motivation lege ich auch ein paar Stangen oder mal ein Cavaletti hin und lasse Killy darüber gehen. Da wir momentan auch viel an der Longe machen, darf diese Einheit auch nicht fehlen. Hier haben wir uns nun schon an den Galopp gearbeitet und werden nun anfangen an Stellung und Biegung zu arbeiten. Sobald wir alles abgearbeitet haben, was ich mir vorgenommen hatte, verlassen wir die Halle (denkt an das Hufe auskratzen!) und laufen gemütlich zurück zum Stall. Dort putze ich sie dann noch einmal über, wechsle wieder das Kopfstück sodass sie wieder ihr Halfter trägt, schiebe ihr einen Apfel zwischen die Zähne und entlasse sie wieder auf die Koppel oder in die Box, je nachdem wie spät es ist. Anschließend räume ich mein Zeug zusammen, säubere den Putzplatz von Rückständen und bringe all meine Sachen in die Sattelkammer. Ist dann wieder die ursprüngliche Ordnung hergestellt, verabschiede ich mich und mache mich wieder auf den Weg nach Hause.
Aufgrund zahlreicher Gespräche oder gemeinsamer Bodenarbeit verzögern sich mitunter einige Abläufe und es kann durchaus schnell passieren, dass mehrere Stunden ins Land gehen. Mittlerweile versuche ich möglichst ohne Zeitdruck in den Stall zu fahren, was gar nicht immer so einfach ist.

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