Pferdemädchen

Ein verbreiteter Trend auf Instagram: Bilder mit der besten Freundin und im besten Fall ist auch mindestens ein Pferd zu sehen. Pferdemädchen werden Trend. Viele Nicht-reiter stellen sich hierunter Freundinnen vor, die den ganzen Tag nur eins im Kopf haben: Ihre Pferde und was sie denen anziehen. Das Klischee ist klar: Pferdemädchen gibt es nur in Gruppen, nur mit Pferden und natürlich haben sie immer die neusten Kollektionen von Eskadron, Pikeur, Kingsland und Spooks dabei. Aber wie viel Wahres steckt hinter den tollen Fotos und dem Bild, welches die breite Masse von uns, den Pferdemädchen hat?Da ich selbst einen Großteil meiner freien Zeit im Stall verbringe und ebenfalls einen Instagram Account nur über mein Pferd führe, selbst mein Blog hat dieses Rahmenthema, bin ich für viele ganz klar in die Kategorie Pferdemädchen eingestuft worden. Das finde ich nicht schlimm, im Gegenteil, wenn eine ehemalige Klassenkameradin zu mir sagt „das ist nunmal deine Leidenschaft“, ja, dann muss ich ihr vollkommen Recht geben. Auch ich verbringe unglaublich gerne die Zeit im Stall gemeinsam mit anderen, wer kann es mir verübeln? Gemeinsam macht vieles einfach mehr Spaß und in vielen Fällen haben eben diese Leute auch gute Ratschläge. Ist man dann auch noch gut befreundet, hat man für Messebesuche oder den Gang in das nächste Reitsportfachgeschäft jemanden, den die ganze Materie genauso interessiert.
Noch bevor ich Fanny kaufte, konnte ich erleben, wie es ist, wenn man „seine“ Stallmädchen um sich herum hat. Wie viele gemeinsame Ausritte haben wir erlebt? Nie ist man alleine zum Stall gefahren, gemeinsame Theoriestunden und Lehrgänge wurden gemeistert. Als ich mit Fanny den Stall wechselte, war dies ein herber Einschlag. Weg waren sie, kaum eine dieser Freundinnen kam uns besuchen und wenn, dann höchstens zwei, drei Mal. Im neuen Stall gab es diese besagten Pferdemädchen-Grüppchen bereits und gerade, als wir Anschluss fanden, wurden die Verhältnisse auf diesem Hof nicht mehr tragbar für uns. Ich stand förmlich ohne Stallfreundin da. Auch als Killy kam, haben zwar alle früheren Mädels nachgefragt, besucht hat uns jedoch bislang nur eine. Da merkt man es, Stallfreundschaften halten meist nur solange, wie man im selben Stall steht. Alles, was darüber hinaus bestehen bleibt, ist äußerst selten zu finden und oftmals teilt man dann mehr gemeinsame Interessen, als die Thematik rund um die Pferde. Der Verlust dieser konstanten Stallfreundinnen hat mich ehrlich gesagt nicht weiter gestört. Natürlich war ich hin und wieder enttäuscht, weil ich gerade einmal 2 Ställe weiter stand, jedoch habe ich meine Ruhe auch ein Stück weit genossen. Zudem habe ich auch immer schnell den Anschluss gefunden und hatte stets Leute, mit denen ich ausreiten konnte usw. Ich war vollkommen zufrieden mit meiner Situation und hätte ehrlich nicht gedacht, nun doch wieder in das oben genannte Klischee zu rutschen, nun, wo ich wieder eine „Stallfreundin“ habe.

Vor einiger Zeit ist eine gute Freundin (auf Instagram könnt ihr sie unter @princesscave_ finden) zu uns in den Stall gezogen. Ihre Gründe? Traurig und schockierend gleichermaßen, mehr möchte ich dazu nicht sagen, schließlich betrifft das ihre Privatsphäre und auf Instagram könnt ihr euch zumindest einen kleinen Einblick verschaffen. Für mich war es natürlich unglaublich toll, als Tina mich anschrieb und um Rat gebeten hat. Immerhin hatte ich die Aussicht darauf, endlich wieder einen zumindest ähnlichen Stallalltag wie früher zu erleben. Dazu kommt nun, dass Tina und ich leider die gleiche äußerst blöde Situation in 2016 erleben mussten. Wir haben beide unser geliebtes erstes eigenes Pferd verloren und das ist ein Punkt, der einen irgendwie zusammen wachsen lässt. Es klingt seltsam, aber wir können uns austauschen, was den Umgang mit diesem Verlust angeht und gleichzeitig haben wir jede ein neues Pferd an unserer Seite, an welches wir uns erst einmal gewöhnen müssen. Schlicht und ergreifend ist es einfach schön, jemanden zu haben, mit dem man regelmäßig vier bis fünf Stunden im Stall verbringt, Bilder macht, gemeinsam an den Ecken und Kanten der eigenen Pferde arbeitet und ja, auch die eine oder andere Kollektion im Auge behält. Was das Thema Kollektionen und Markenartikel angeht, wird noch der eine oder andere Beitrag erscheinen. Ich kann dazu nur sagen, dass unser Geld leider auch noch nicht auf Bäumen wächst und wir uns demnach nicht sämtliche Eskadron Sets leisten können (bzw. auch wollen), hier muss ich also enttäuschen: was das angeht sind wir wohl keine typischen Pferdemädchen, auch wenn wir uns wirklich Mühe geben. Auch auf Turnieren wird man uns wohl eher nicht antreffen, denn da fehlt noch einiges an Training. Auch hier sind wir keine Vorbilder, denn wir können unsere gewonnenen Schleifen nicht jedes Wochenende vor der Kamera präsentieren. Dazu müssten wir ja erfolgreich sein. Was das wohl noch für ein Bild wäre? Eine amüsante Vorstellung, wenn ihr mich fragt.
Auch wenn wir also nicht auf allen Veranstaltungen tanzen werden, eine Messe nehmen wir dieses Jahr auf jeden Fall gemeinsam mit: die Pferd und Jagd und auf diese freue ich mich schon wie eine Irre. Was sonst so ansteht, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, das meiste wird wohl spontan passieren.
Tatsächlich glaube ich aber, dass schon alleine das Gespann aus zwei Freundinnen mit ihren Pferden auf andere wie die typischen Pferdemädchen wirken muss. Aber sind Pferdemädchen nicht auch Mädchen, die einfach nur gerne ihre Freizeit im Stall verbringen? Müssen Pferdemädchen permanent alles posten und können Pferdemädchen nicht auch mal einzeln angetroffen werden? Es ist irgendwie traurig, dass der Begriff Pferdemädchen im Social Media nur solche anspricht, die alles, aber auch wirklich alles mit der Welt teilen, immer ihre Mädels am Start haben und möglichst alle neuen Kollektionen tragen. In meinen Augen gibt es noch so viele mehr, die Pferdemädchen sind und dies einfach nicht an die große Glocke hängen.
Aber ich will mich mal nicht beschweren, schließlich wurde ich ja bereits voll in dieses Klischee eingestuft.

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