bin ich verwöhnt?

Eine Frage, die ich mir in der letzten Zeit häufiger stelle ist die, ob ich verwöhnt bin. In den letzten Monaten habe ich Ansprüche an Dinge entwickelt, die mir noch vor wenigen Jahren ziemlich egal waren. Sei es im Stall oder zu Hause, meine Standards sind deutlich gestiegen, was mein Portemonnaie zugegebener Maßen nicht immer gut findet und hier und da auch mal Sprüche fallen gelassen werden, die ich so nicht gewohnt war. Bewusst stellte ich mir diese Frage jedoch erst, als ich vor ein paar Tagen eine neue Brille aussuchte. Seit jeher musste ich keine meiner Brillen selbst finanzieren, dies hat immer meine Mutter übernommen und ich durfte immer frei wählen. So kam es, dass ich eigentlich nie etwas anderes als eine Rayban auf der Nase getragen habe. In Anbetracht des Zeitraums, ich trage meine Brillen nun seit mehr als 10 Jahren, sind dementsprechend so einige Summen in meine Augen geflossen und trotzdem wurden meine lieben Augen immer schlechter. Aber das liegt nunmal an meiner genetischen Veranlagung und war unvermeidbar. Nun ist es zu meinem Erstaunen keine Rayban sondern eine Dolce&Gabbana geworden. Hierzu muss ich betonen, dass ich meine Brillen nie nach Marken aussuche. Ich lasse mir immer recht viele Modelle von verschiedensten Herstellern zeigen und sehe erst bei der engeren Auswahl, welches Modell nun von wem kommt. Ich suche immer danach aus, welche Form, Farbe und welches Tragegefühl mich am ehesten anspricht. Leider sind es nunmal die höherpreisigen Brillen, die mich dann total überzeugen, auch wenn ich mir immer vornehme nicht das teuerste Modell zu nehmen. Letztendlich muss ich mich aber wohlfühlen und das kann ich nur, wenn ich zu 100% überzeugt bin. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Fluch und Segen zugleich. Der Fluch hierbei ist: es ist leider teuer. Der Segen: meine Brillen haben eine lange Lebenserwartung. So ist beispielsweise meine Sonnenbrille aus 2012 und ich habe mittlerweile drei „Alltagsbrillen“, wovon  ebenfalls eine aus 2012 ist. Die anderen beiden sind neuer, weil Mama großzügig ist und mir ermöglicht nach mindestens 2 Jahren ein neues Modell zu tragen. Es ist auch wirklich toll, hier eine Auswahl zu haben, denn so kann ich immer abstimmen, ob meine Brille zum restlichen Outfit passt – typische Brillenträger-Problematik. Da meine Augen allerdings schon wieder schlechter geworden sind, ich kann nur noch auf eine Distanz von ca. 20cm ohne Brille scharf sehen, bin ich nun gezwungen meine Brillen regelmäßig zu tauschen. Wenn ich also lerne und alles nur auf kurze Distanz erkennen muss, nehme ich meine „alte“ Brille, damit meine Augen sich nicht so sehr anstrengen müssen, denn je stärker meine Brille ist, umso schwerer wird es für mein Auge die kurzen Distanzen ebenfalls scharf zu stellen, deshalb lese ich meine Bücher meist ohne Brille und auch am Handy bin ich bevorzugt ohne Brille unterwegs – ich muss meine Kurzsichtigkeit ja auch mal ausnutzen, nur für die Arbeit am Laptop reicht es nicht mehr. Möchte ich auf Distanz scharf sehen können, wie beispielsweise in der Uni oder beim Autofahren, nehme ich die neue Brille, denn diese ist eben wesentlich stärker. Obwohl meine Sehschärfe durchaus eingeschränkt ist, wurde mir versichert, dass meine Sehkraft absolut in Ordnung ist, ich muss mir also gesundheitlich keine Gedanken machen und brauche halt nur meine Lupe to go.
Ursprünglich wollte ich gar nicht so viel zum Thema Brillen schreiben, jedoch passte es gerade in den Kontext. Brillen sind jedoch nur ein Beispiel dessen, warum ich verwöhnt sein könnte oder behauptet wird ich wäre dies. Im Gegensatz zu vielen anderen musste ich meine Eltern nie teilen. Ich habe das Privileg stets die volle Aufmerksamkeit meiner Eltern zu bekommen, sofern ich diese einfordere. Ich musste mir nie mein Zimmer teilen oder mich mit möglicherweise nervenden Geschwistern plagen. Für viele klingt das nun wie der absolute Traum, allerdings muss ich sagen, dass das gar nicht so toll ist, denn alles was man an „Mist baut“ kann man nicht auf die Geschwister schieben. Ich habe viele Dinge als Kind auf unsere Hunde geschoben. Hat nicht immer geklappt, aber doch das eine oder andere Mal. Zudem hat man als Einzelkind niemanden zum Spielen, wenn die Freunde keine Zeit haben oder die Eltern arbeiten sind. Abschließend muss ich auch ein Klischee bestätigen: Ich kann absolut nicht teilen, eine Eigenschaft zu der Geschwister-Kinder gezwungen werden. Sobald ich etwas teilen soll, fühle ich mich in meinen Freiheiten total eingeschränkt, weil ich das eben absolut nicht kenne. Ich teile zwar, aber meist ist das mit einem internen grummeln verbunden und sobald ich meine Sachen wieder ganz für mich habe, bin ich viel glücklicher.
Nun aber zum eigentlichen Punkt dieses Beitrags: meine gestiegenen Ansprüche. Diese sind mir insbesondere jetzt wo Killy da ist, vermehrt aufgefallen. Das fängt beim Stall an und endet beim Zubehör. Insbesondere was Ställe angeht, sind meine Ansprüche enorm gestiegen und einige Ställe wo ich mit Fanny war, würden für mich nicht mehr ansatzweise in Frage kommen, wobei vieles eben an negativen Erfahrungen liegt und ich diese Risiken nicht mehr eingehen will. Das äußert sich jedoch auch im Preis, welchen ich aber gerne zahle, für die Leistung und die Sorglosigkeit, die ich erhalte. Weiterhin ist es mir aufgefallen, als ich neue Sachen für Killy aussuchen musste, denn die Sachen von Fanny passen ihr beim besten Willen nicht, bis auf ein paar Dressurgamaschen. Bei Fanny waren mir die Marken weitestgehend egal, Hauptsache es war nicht zu teuer, wodurch ich aber auch nicht selten immer wieder erneuern musste. Lange Zeit hatte ich mir jedoch eine  Abschwitzdecke von Eskadron gewünscht, für die ich immer zu geizig war, weil Fanny ja bereits welche hatte. Killy gab mir dann endlich den Grund und so erfüllte sich ein lang ersehnter Wunsch und wenn ich ganz ehrlich bin, will ich keine andere mehr (abgesehen von meiner geliebten Kavalkade, der ich ewig hinterher trauern werde). Bis dato hatte ich lediglich zwei Stricke und eine Putztasche von Eskadron, die preislich sehr nah bei den anderen Anbietern lagen, wodurch ich mir diesen „Luxus“ gegönnt habe. Dies bereue ich auch keine Sekunde, denn die Stricke halten bereits seit vier Jahren und sehen dabei noch gut aus und die Putztasche ist qualitativ so unglaublich toll verarbeitet, dass sie mein kleines Schmuckstück geworden ist. Nachdem ich die Decke bekommen hatte, dachte ich, dass es das erstmal wieder gewesen war, denn ich war nie wirklich davon angetan viel Geld nur für die Marke auszugeben und das betrifft im Grunde alle Lebenslagen. Durch einen eher blöden Zufall habe ich mich jedoch nun entschieden, auch bei Halftern eher auf Eskadron zu setzen, denn das super schöne pinke Halfter, welches wir bei Krämer für 20€  für Killy kauften (zum Vergleich: die von Eskadron bekommt man ab 25€), hat nach nicht einmal zwei Wochen Nutzung den Geist aufgegeben und eine Naht ist einfach mal aufgegangen, Killy hat also nichtmal durch losreißen oder Ähnliches das Halfter zerstört, es war einfach nur ein qualitativer Mangel. Ein Mangel, den ich bei 20€ echt nicht gut finde und umtauschen konnte ich leider auch nicht mehr, da ich das Halfter mehr als einen Monat vorher kaufte. Sehr schade. In meiner Not, da ich nur dieses Halfter für die Weide hatte und sonst das Lederhalfter hätte nehmen müssen, hat mir ein anderer Einsteller eins seiner alten Halfter gegeben, ein Eskadron und da war ich hin und weg von der Qualität, denn es war nicht so schlabberig wie viele Halfter die ich kenne, wo man es quasi richtig klein quetschen könnte, wenn man wollte und wo die Form erst da ist, wenn es am Pferdekopf ist, sondern es hatte Stabilität und behielt seine Form auch abseits eines Pferdekopfes. Da ich ohnehin neue Halfter brauchte, zogen kurzerhand gleich zwei davon in meinem Spind ein, denn nochmal passiert mir das nicht, dass ich kein Ersatz-Halfter habe. Tja und wie der Zufall es wollte, hat Killy eines davon schon wieder verloren, welches ich hoffentlich noch wieder finde. Ich bin nun also auch was Halfter angeht wesentlich anspruchsvoller geworden und vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich komplett hohe Ansprüche erhebe. Dennoch habe ich nicht geplant zu einem absoluten Fashionvictim zu mutieren, denn letztendlich steht der Nutzen der Sachen an höherer Stelle als die neuste Kollektion und solange ich funktionstüchtige Alternativen habe, sehe ich keine Notwendigkeit neues zu kaufen.

Aber bin ich denn nun verwöhnt, weil ich gewisse Standards entwickelt habe? Bin ich verwöhnt, weil ich viel Unterstützung durch meine Mutter erfahren darf? Ich selbst hatte nie den Eindruck verwöhnt zu werden, wenn ich daran dachte, was meine Freunde für Leben führten. Auch musste ich immer für meinen „Luxus“ arbeiten, auch wenn dies als Kind durch Hausarbeiten kompensiert wurde und erst ab meinem 16. Lebensjahr in Nebenjobs mündete. Wenn man mich fragt, wurde ich als Kind nicht verwöhnt und bin es auch heute nicht. Ich erfahre zwar eine Menge Unterstützung und bekomme durchaus einen gewissen Luxus ermöglicht, jedoch sehe ich all diese Dinge nicht als Selbstverständlichkeit an und gehe nach wie vor arbeiten, worin für mich der Unterschied zu wirklich verwöhnten Menschen liegt. Ich bekomme meine Stute nicht gesponsert, ich teile sie mir mit meiner Mama. Kilkenny gehört uns beiden, wodurch ich natürlich profitiere, da ich nicht das gesamte Zubehör oder den Tierarzt und sonstige Kosten alleine stemmen muss. Dennoch übernehme ich die Versicherung und die Stallmiete zu vollen Teilen und meines Erachtens gleicht es sich in diesem Punkt wieder aus.

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