Doppeltes Lottchen

12 Wochen ist unsere kleine Wicca nun auf der Welt, vier davon lebt sie jetzt schon bei uns. Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie selbstverständlich der Alltag mit ihr schon geworden ist. Wicca besucht seit ihrer ersten Woche bei uns jeden Samstag die Hundeschule, nicht hauptsächlich um zu lernen, sondern um Kontakt mit anderen Welpen zu pflegen, deshalb sind wir bisher auch „nur“ im Welpenprägekurs anwesend, was aber auch absolut ausreichend ist, in ihrem Alter. Nach anfänglicher Scheu den anderen, meist schon älteren, Welpen gegenüber, gehört sie nun zu den Raufbolden in der Gruppe und hat sich schon ihre liebsten Spielpartner ausgesucht. Man merkt ihr regelrecht an, dass sie es genießt, dorthin zu fahren und eine Stunde zu toben. Natürlich besteht der Kurs nicht nur aus Toben, denn die Hunde sollen direkt lernen, dass es Pausen gibt, sobald Herrchen oder Frauchen diese anordnen. In diesen Pausen gibt es für uns Menschen immer eine nützliche Theorieeinheit zu verschiedensten Themen, wie beispielsweise dem Lernverhalten von Hunden, Maulkorbpflicht in Deutschland, führen an der lockeren Leine und vielem mehr. Nach der Theorie, wo die kleinen ruhig bei uns liegen oder sitzen sollen, was eigentlich alle immer hervorragend machen, dürfen die Zwerge wieder spielen, um wenig später in eine erneute Pause gerufen zu werden. Dieses immer wieder heranrufen trainiert gleichzeitig die Abrufbarkeit der Hunde von klein auf, wodurch Wicca jetzt schon sehr gut auf uns hört, wenn wir sie rufen. In dieser zweiten Pause wird uns Menschen wieder etwas erklärt, was wir danach direkt praktisch mit dem Hund üben sollen, wie zum Beispiel „Sitz“, „Aus“, „Platz“, an der lockeren Leine laufen oder auch überall anfassen. Dieser Welpenkurs ist also im Grunde die abgespeckte Variante eines Erziehungskurses, zu dem wir Wicca aber auch schon angemeldet haben, da ich nicht denke, dass diese kurze Einführung reicht, um einem Welpen alles beizubringen. Außerdem ist dadurch sichergestellt, dass es immer einen Tag in der Woche gibt, wo Wicca auf fremde Hunde trifft, es ist also ganz allein ihr Tag. Die Hundeschule, für die wir uns entschieden haben, ist übrigens Animal Training, da meine Mutter dort sehr gute Erfahrungen mit ihrem Akita gemacht hat. Auch wir sind bisher restlos begeistert und das ist, wie ich finde, auch sehr wichtig, bei der Entscheidung, welche Hundeschule man besuchen will. Schließlich wird dort der Grundstein für das Miteinander zwischen Hund und Mensch gelegt und das ist eine Phase, die man nicht mit den falschen Methoden verbringen sollte, denn in dieser Zeit kann bei den Hunden sehr vieles zerstört werden, was sich auf die weitere Erziehung nicht positiv auswirken kann. Viele wählen ihre Hundeschule jedoch nicht mit viel Bedacht, oder besuchen diese gar nicht erst, da sie der Meinung sind, das alles auch allein zu schaffen. Der Welpe kann ja schließlich schon Sitz und ist Stubenrein, wieso also die Hundeschule? Kostet doch nur unnötig Geld.

Ich selbst bin mit Hunden groß geworden, seit ich denken kann, gab es immer einen Hund in unserem Haushalt. Ich könnte also auch von mir behaupten, fähig zu sein, einen Hund zu erziehen, denn schließlich habe ich hier 20 Jahre Erfahrung und klare Vorstellungen. Dennoch nehme ich den finanziellen Aufwand auf mich und spendiere unserer Kleinen diese Schule. Warum? Weil ich mir darüber im Klaren bin, dass Hundeerziehung nicht in 3 Monaten getan ist, sondern Hunde mindestens 3 Jahre brauchen, bis sie wirklich alles verinnerlicht haben. Erst in diesem Alter kann man die Erziehung abschließen. Sie sind im Grunde wie Kleinkinder und mal ehrlich, welches Kind ist nach einem Jahr erzogen? Erziehung dauert Jahre. Gerade aus diesem Grund nehme ich gerne die wöchentliche Einheit mit und frische mein Wissen noch einmal auf, um wirklich die nächsten Jahre dranbleiben zu können. Wicca wird nach dem Erziehungskurs auch noch weitere Kurse dieser Hundeschule besuchen, einfach, damit auch ich neue Blickwinkel entdecken kann. Ich finde es absolut verwerflich, wenn Leute meinen, sie würden alles alleine schaffen, hatten sie ja schon ach so viele Hunde. Vermutlich habe ich diese Sichtweise durch meine Mutter geerbt, schließlich ist sie in ihren Mitte Vierzigern noch einmal mit einem Welpen zur Hundeschule gegangen, bzw. macht sie dies nach einem Jahr mit dem Hund immer noch, obwohl sie schon weitaus länger mit Hunden zu tun hat, als ich. Allerdings sehe ich jeden Tag Hunde in unserer Nachbarschaft, die schon wesentlich älter sind als Wicca, sich aber definitiv schlechter Benehmen. Dieses schlechte Benehmen beginnt bei mir im Übrigen schon, wenn ein Hund an der Leine zerrt oder andere aus der Ferne anbellt. All dies macht Wicca mit ihren zarten 12 Wochen nicht. Natürlich gerät sie gerne in Versuchung an der Leine zu ziehen, allerdings ist dies meist nur ein Versuch und wird ganz schnell wieder vergessen, die lockere Leine ist schließlich auch angenehmer. Wir haben schon oft beobachten können, wie Wicca losrennt, um genau in dem Moment inne zu halten, wo die Leine möglicherweise straff werden könnte.

Aufgrund meiner doch recht klaren Vorstellung von der Hundeerziehung, werde ich oft gefragt, welche Methoden ich denn anwende, schließlich ist mein Hund mit 12 Wochen schon stubenrein und kann problemlos 6 Stunden alleine bleiben, was bei einem Hund in dem Alter doch gar nicht geht. Doch, es geht. Wenn man seinem Welpen beibringt, dass alleine bleiben gar nicht schlimm ist und es super ist, wenn man die Regeln befolgt, lernen das auch 12 Wochen alte Hundekinder. Wicca wird von uns sehr viel positiv bestärkt, bekommt aber auch einen ordentlichen Dämpfer, wenn sie partout nicht hören will. Dabei wenden wir niemals Gewalt an, sondern geben ihr einfach ein unangenehmes Gefühl, indem wir sie ignorieren. Natürlich bekommt sie auch mal Mecker ab, wenn sie sich daneben benimmt, aber den Hund zu schlagen ist für uns keine Option. Auch Würgehalsbänder, wie viele sie verwenden, fallen bei uns durch. Hunde lernen allgemein wesentlich besser und vor allem lieber, wenn man sie für alles tolle einfach belohnt. Belohnen können Leckerlie sein, kuscheln oder einfach nur freundliche Worte. All das verstehen die Vierbeiner als unglaublich toll und demnach werden sie ihr Verhalten so steuern, dass es möglichst oft Belohnungen gibt.

Ein Schnauzer ist in Sachen Erziehung nicht wirklich ein einfacher Kandidat, was wir seit dem ersten Tag mitbekommen haben. Zu groß ist der Dickkopf und zu eigenständig will diese Sorte Hund leben. Manchmal denke ich mir sogar, dass ein Akita einfacher gewesen wäre, obwohl ich mit Arek ja auch so meine Probleme hatte. Schnauzer sind dennoch meine kleinen Favoriten und ich denke, wenn wir Wicca weiterhin zu einem so tollen Hund erziehen, wie ich mir das wünsche, ist der Weg für jegliche Rassen geebnet. Tatsächlich entwickelt sie sich prächtig und wir haben auch absolutes Glück mit ihr, denn sie pullert zwar noch ab und an auf den Teppich, aber meist nur, wenn sie wieder vergessen hat, was zu sagen und das passiert ihr auch nicht oft. In der Hundeschule haben wir mitbekommen, dass andere Welpen diesbezüglich weitaus mehr „Dummheiten“ anstellen. So gibt es zum Beispiel einen, der die Tapete abzieht, was ich bestimmt ganz toll finden würde.

Wie durch ein Wunder konnten wir vergangenen Samstag eine Schwester von Wicca kennenlernen. Um genauer zu sein, eine Schwester aus dem selben Wurf, es waren also Zwillinge in der Hundeschule. Als besagte Hündin aus dem Auto stieg, dachte ich erst, wie lustig es ist, dass da ein Hund genauso aussieht wie unserer. Dann fielen mir Leine und Halsband auf, welche die gleichen waren, wie die, die wir von der Züchterin bekommen haben. Da mir das dann doch etwas zu verdächtig vorkam, haben wir kurzerhand gefragt, wo denn dieser Schnauzer herkommt und siehe da, es war tatsächlich die gleiche Züchterin und der gleiche Wurf. Unterscheiden konnte man die beiden tatsächlich nur, da wir Wicca bereits ein anderes Halsband umgemacht hatten, ansonsten sehen die beiden einfach identisch aus und nur bei genauerem Hinschauen ist Wicca minimal dunkler als ihre Schwester. Nach den vier Wochen Trennung haben die beiden natürlich anfangs ausschließlich miteinander gespielt und erst später wieder die Aufmerksamkeit auf andere Hunde gelenkt. Zwischendurch haben sich die Mädels aber auch gut angegiftet, was aber laut der Trainerin normal ist, wenn es Geschwister sind. Dafür verbündet man sich halt aber auch wieder, wenn es gegen andere geht. Tatsächlich fand ich diese Beschreibung gar nicht so differenziert vom Menschen, was wieder zeigt, dass alle Kinder in gewisser Weise ähnlich sind.

Wicca’s Schwester wird nun auch regelmäßig zur Hundeschule kommen, da ihre Besitzer gar nicht weit von uns entfernt wohnen. Tatsächlich ist dies ein Zufall, den ich noch gar nicht so richtig begriffen habe, denn mich freut es sehr, dass Wicca einer der wenigen Welpen ist, die das Glück haben, eines ihrer Geschwister regelmäßig zu sehen. Schließlich bedeutete der Umzug zu uns für sie den kompletten Verlust ihres vorherigen Lebens und so hat sie nun zumindest einen kleinen Teil davon zurück. Zudem haben wir nun Leute zum Austauschen, da Schnauzer ja doch eine Rasse für sich sind und es ist interessant, wie unterschiedlich sie sich entwickeln, oder welche Tipps die anderen für einen haben oder auch andersherum.

Alles in Einem kann ich wirklich nur ans Herz legen, sich die Zeit für die Hundeschule zu nehmen. Man weiß nie, was für Ereignisse sich dort abspielen und kann seinen Hund direkt gut sozialisieren, da die Trainer immer ein Auge darauf haben, dass alles friedlich zugeht. Wer keinen Kurs besuchen will, kann auch einfach zur Spielstunde fahren. Für mich ist dies eben die ideale Möglichkeit, seinem Hund die Aufmerksamkeit zu geben, die er benötigt, denn wie schon gesagt, Wicca (12 Wochen), Arek (1 Jahr) und sogar Shiva (17 Jahre) haben hieraus nur Gutes mitgenommen und gehen regelmäßig hin. Alle drei sind im Übrigen so gut sozialisiert, dass fremde Hunde auf der Straße gar kein Problem darstellen und sie gehen prinzipiell allem freundlich entgegen.

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