Augen auf beim Pferdekauf

Dass man ein Pferd nur gut überlegt kaufen sollte, habe ich bereits zur Sprache gebracht. Schließlich will man lange Freude daran haben, wodurch sich die Mühe lohnt, etwas tiefer in sich zu gehen und zu überlegen, ob man das wirklich will, oder auch etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen, um eine Ankaufsuntersuchung (AKU) zu finanzieren. Im Übrigen sollte man dies auch beim Autokauf oder der Anschaffung eines anderen Tieres, dem Hauskauf usw. in jeweils angepasster Art beherzigen. Jedoch liegt die Ursache für einen „Fehlkauf“ nicht immer beim Käufer. In der letzten Zeit habe ich mit einer Freundin (Instagram: @___franziska) ein paar erschreckende Dinge seitens der Pferdebesitzer erlebt, die mir doch arg zu denken geben.

Szenario Eins: Das Verschweigen von Krankheiten

Leider ist dieses Verhalten keine Seltenheit bei Pferdeverkäufern. Dass bei Fanny die schwerwiegende Arthrose verschwiegen wurde, kann man letztendlich auch als Unwissen abtun, schließlich kann kein Mensch in die Gelenke schauen, ohne Röntgengerät. Hier hätte mich eine AKU definitiv vor einem kranken Pferd bewahrt und nicht selten werden Knochenkrankheiten aufgrund mangelnder Bereitschaft zur AKU erst später vom Käufer entdeckt. Jedoch gibt es auch Krankheiten, die man ohne AKU sofort sieht, wie z.B. ein Ekzem. Pferde, die unter Ekzem leiden, haben meist einen aufgescheuerten Schweif und eine sehr in Mitleidenschaft gezogene Mähne. Ich persönlich erwarte von demjenigen, der solch ein Pferd verkaufen will, schon bei dem Inserat die Ehrlichkeit, dies anzusprechen, denn mit der richtigen Pflege kann man ein Ekzem recht schnell in den Griff bekommen, hier ist allerdings viel Geduld und die Bereitschaft es zu behandeln von enormer Wichtigkeit. Schließlich stellt das Ekzem lediglich eine Allergie dar, wodurch man das meines Erachtens mit ruhigem Gewissen ansprechen kann. Tatsächlich haben wir hier das genaue Gegenteil erleben müssen: Für Franzi waren wir auf der Suche nach einem Araber und sie hatte ein Inserat entdeckt, wo ein recht schickes Tier abgebildet war und die Beschreibung auch recht vielversprechend klang. Als wir dort ankamen, waren wir wirklich sehr schockiert, denn das Pferd, welches auf den Bildern eine tolle Mähne hatte, hatte weder Mähne, noch viel Schweif. Das Tier sah leider überhaupt nicht hübsch aus, was zwar nie der ausschlaggebende Punkt sein sollte, aber schon bedenklich ist, wenn die Bilder so vielversprechend waren. Hätte Franzi zudem vorher gewusst, dass dieses Pferd Ekzem hat, hätte sie sich auch den Weg gespart es zu besuchen, da sie für sich entschieden hat, dass sie ein rundum gesundes Pferd kaufen möchte, ohne als erste Amtshandlung einen Tierarzt aufzusuchen, um nach einer Lösung für das Ekzem zu suchen. Zu meinem Erstaunen gab es dennoch Personen in unserem Umfeld, die ihr doch geraten haben den Wallach ohne Mähne zu kaufen, denn er habe doch solch ein niedliches Gesicht. Ich denke der vorangegangene Satz beantwortet die Frage, warum Verkäufer Krankheiten verschweigen: Es gibt immer Menschen, die diese Pferde kaufen, ohne auch nur an eine AKU zu denken und dieses Phänomen wird natürlich zum eigenen Vorteil genutzt, was wiederum niemandem zu verdenken ist, da wir schließlich alle irgendwo auf unseren eigenen Vorteil erpicht sind.

Szenario Zwei: Beschreibung top, Pferd „Flop“

Was ebenfalls nicht selten passiert ist, dass man eine Anzeige zu einem augenscheinlich perfekten Pferd findet: jung, super ausgebildet, Turniererfahrung einschließlich Erfolgen, lieb im Umgang, keine Unarten, Anfängergeeignet, Potential für den gehobenen Sport oder die Zucht, Preis: 2.000€. Da allgemein bekannt ist, dass ein solch braves Pferd mit offensichtlich ganz toller Abstammung weit mehr kostet, als 2.000€, ist bei solchen Anzeigen oft davon auszugehen, dass irgendwo ein Haken ist. Nicht selten lese ich super tolle Beschreibungen und unten steht irgendwo recht klein „als Beisteller zu verkaufen“ oder „wegen Verletzung nicht mehr unter dem Sattel, Röntgenbilder nur bei ernsthaftem Interesse“ oder „nur noch für die Zucht geeignet“ oder „nur bedingt reitbar“. Steht so etwas noch dabei, hat man als Käufer immerhin noch die Möglichkeit, die Anzeige zu schließen und direkt zu entscheiden „oh nee, lieber doch nicht“. Allerdings ist es Franzi und mir auch schon passiert, dass die Beschreibung ganz gut klang, das entsprechende Pferd jedoch statt „gut erzogen“ zu sein, beim Führen der Meinung war in den Arm beißen zu müssen, sich nicht aufzäumen zu lassen und beim aufsteigen gar nicht daran dachte stehen zu bleiben. So viel zu der guten Erziehung. Nun gut, Turniererfahren und für Anfänger sollte es geeignet sein. Also ein Pferd, welches durchaus mal eine unruhige Hand verzeiht und gut auf den Schenkel reagiert. Leider auch nicht der Fall. Kopf hoch, Giraffe imitieren und bloß nicht auf den Schenkel reagieren. Tolles Turnierpferd. Als wir die Besitzer darauf angesprochen haben, dass dieses Pferd nicht unseren Vorstellungen aus der Beschreibung entsprochen hat und demnach auch nicht gekauft wird, wurde die komplette Schuld für das Verhalten des Pferdes bei Franzi gesucht. Natürlich ist oft der Reiter der Schuldige, wenn etwas nicht klappt, Fehler passieren und niemand ist Fehlerfrei, aber dennoch war dies bei weitem kein Anfängergeeignetes Pferd und auch das hätte in der Anzeige stehen müssen.

Szenario Drei: Klauseln im Vertrag

Es ist tatsächlich nicht unüblich, dass gewisse Klauseln in Verträgen zu finden sind. Bei Wicca steht im Kaufvertrag z.B. die Klausel, dass die Züchterin sich ein Vorkaufsrecht einbehält und mitbestimmen darf, an wen der Hund verkauft wird, sollten wir sie eines Tages verkaufen wollen. Eine solche Klausel stellt für mich kein Problem dar, da ich nicht vorhabe ein Tier, welches ich mir anschaffe, wieder wegzugeben. Das liegt nicht in meinem Interesse, wodurch die Klausel in meinen Augen eh niemals Anwendung findet. Gleichzeitig weiß ich aber, dass das Tier in gut ausgewählte Hände kommen würde, was wiederum in meinem Interesse wäre. Eine Klausel, welche mich recht stutzig machte, lautet, dass das Pferd auf dem Hof des Verkäufers stehen bleiben muss und von diesem weiterhin für Kutschfahrten oder vor dem Pflug genutzt werden kann. Im Grunde also zwei Klauseln in einer. Bei ersterem Punkt, dass das Pferd auf dem Hof stehen bleiben muss, muss ich sagen, dies ist für mich keine Neuigkeit, denn viele Reitschulen regeln das so, um sich weiterhin Einnahmen durch dieses Pferd zu sichern. Allerdings steht für mich schon fest, dass mein neues Pferd wieder auf dem Reiterhof Michael in Schenkendorf stehen wird, da ich dort mehr als nur zufrieden war und für mich gar keine andere Unterkunft mehr in Frage kommt. Somit ist diese Klausel für mich ein grundlegendes Problem, welches sich allerdings oft noch beheben lässt, indem man den Kaufpreis etwas anhebt. Ist man jedoch mit dem Hof zufrieden und er ist auch noch in der Nähe und man hätte den Hof eh als Unterkunft gewählt, kann diese Klausel auch willkommen sein. Der zweite Teil der Klausel ist für mich allerdings sehr kritisch, da der Verkäufer sich hier ein Recht an der Nutzung des Tieres vorbehält, was definitiv nicht in meinem Interesse ist, denn ich kaufe ein Pferd um alleine darüber entscheiden zu können und nicht, um es mir mit dem Vorbesitzer zu teilen. Diese Klausel macht einen Kauf für mich absolut unsinnig, denn wenn sowieso ein anderer über das Pferd verfügen kann/will, dann kann ich theoretisch auch einfach eine Reitbeteiligung auf diesem Pferd annehmen, habe weniger Kosten und den gleichen Nutzen. Bei einer solchen Klausel wäre es für mich irrelevant, wie toll das Pferd ist, denn unter den Bedingungen kaufe ich kein Pferd. Ob Verkäufer hier mit sich reden lassen, weiß ich nicht, jedoch werde ich dem auf den Grund gehen und hier mein Ergebnis ergänzen. Letztendlich ist nämlich auch ein Pferdekauf nichts anderes als ein Handel, den man recht häufig zu seinen Gunsten auslegen kann.

Übrigens ist mir aufgefallen, dass die genannten Punkte „Sortenübergreifend“ sind, man also falschen Beschreibungen, Mängeln und Klauseln gerne auch beim Kauf von Autos oder Häusern über den Weg läuft. Im Grunde ist es also wirklich ratsam immer darauf zu achten, was genau man zu welchen Konditionen kauft. Viele Menschen zeigen beim Verkaufen Gesichter, die man lieber nie gesehen hätte. Trotzdem gibt es natürlich auch noch ehrliche Menschen, die einfach nur ihre Sachen/Tiere loswerden wollen, weil sie keine Zeit oder ähnliches mehr dafür haben und dabei nicht hauptsächlich auf Profit achten.

Schreibt mir doch hier in die Kommentare mal eure Erfahrungen beim Kaufen, sei es nun Pferd, Hund, Katze, Auto oder was auch immer. Ich bin gespannt.

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